Ein Buch is a book est un livre . . .
Künstlerbücher sind vielsprachig und vielschichtig wie die Sprache der modernen Kunst und wie die der menschlichen Kommunikation überhaupt. Künstlerbücher sind ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst. Es können wertvolle Luxusausgaben mit Originalgraphik, Multiples oder unlimitierte Auflagen auf fotokopiertem Papier sein.
Das Künstlerbuch gibt es seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Es ist eines der vielen Ausdrucksmittel der Avantgarden der Moderne. Wo Komponisten Polystilistik, Polyrhythmik und Polymelodik erkundeten und Maler Perspektiven stürzten, experimentierten Dichter und Typographen, Visionisten und Philosophen an neuen Formen des Lesens. Stéphane Mallarmés »Le coup des dés...«, die typographischen Arbeiten von Marinetti oder Schwitters einerseits, Dubuffet und Matisse andererseits sind Grund- und Meilensteine dieser Kunst. Frankreichs große Meister der Malerei schufen die ersten großen Künstlerbücher in der Sprache der Maler, wie »Jazz« von Matisse (gedruckt), oder das Unikat-Buch (gemalt), beide zunächst angelehnt an die Tradition der illustrierten Bücher. Das wäre in England oder Italien undenkbar gewesen. So kommt es, daß Bücher mit Illustrationen von Malern später als livres dartistes bezeichnet wurden. Einen anderen Typ von Künstlerbüchern hat man da die Impulse nach dem Krieg meist aus England und Amerika kamen in den letzten drei Jahrzehnten als artists books bezeichnet. Pop, Fluxus, Actionkunst, Arte povera etc. vor allem aber die Konzeptkunst gab dem Künstlerbuch einen Schub und sicherte ihm mit »Konkreter Poesie«, tautologischen und linguistischen Experimenten einen Platz in der Kunstgeschichte. »Es handelt sich um eine Reminiszenz an das Kalte und Philosophische, im Gegensatz zu den Werken die vorrangig nach dem traditionellen Input über die Wahrnehmung des sichtbar-fühlbaren arbeiten« schrieb Germano Celant 1977. Heute sagt man, daß die artists books ein frühreifes Symptom der Krise von Datenmassen waren. Pulpige Typographie und konzeptuelle Werbung in meist unbewußter Anlehnung oder ironischer Distanz übertreffen alles, was für die Künstler der 60er und 70er Jahre der Anbruch des Pop und simultane Wahrnehmung bedeuteten. Der »Typus« ist längst Wahrnehmungsgewohnheit geworden, oft nur noch lähmend für Nerven und Sinne.
Wie auch immer man sie bezeichnen mag Künstlerbücher, artists books, livres dartistes in allen sondieren Künstler auf ihre Weise weiter nach Gründen und Abgründen des Mediums Buch und des Daseins. Allein durch künstlerische Lebendigkeit welcher Art auch immer und nicht durch reines Produktdesign kšnnen Bücher zu magischen Orten werden, an denen man sich gerne aufhält, Orten, wo Wahrnehmung aufwacht.
Zu einem späteren Zeitpunkt werden Sie in der "historischen Bibliothek" dieses Salons Statements von Künstlern, (die öft künstlerische Statements sind), Definitionen und geschichtliche Basisdaten finden, außerdem Artikel und Rezensionen.
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Wir möchten die "Neuen" unter Ihnen darauf hinweisen, daß im Zusammenhang mit Künstlerbüchern oft auch der Ausdruck "Editionen" fällt. Im derzeitigen Sprachgebrauch sind damit auch Mappen von Künstlern mit Grafikarbeiten gemeint. Das hat nichts mit Büchern zu tun, da es in der Regel nur zu einem Thema gesammelte Drucke sind, die sich so besser verkaufen lassen sollen.
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